Höxter (msp.) Mit Musik, klaren Worten und viel Gemeinschaftsgefühl haben Bürgerinnen und Bürger am Samstag auf dem Marktplatz in Höxter ein deutliches Zeichen gesetzt. Anlass war der internationale Aktionstag „One Billion Rising“, der weltweit darauf aufmerksam macht, dass jede dritte Frau in ihrem Leben körperliche oder sexualisierte Gewalt erfährt. Organisiert wurde die Kundgebung mit anschließendem Flashmob vom Arbeitskreis gegen Gewalt an Frauen und Kindern im Kreis Höxter.
Schon vor dem ersten Takt war die Botschaft unmissverständlich. „Rund eine Milliarde Frauen erleben im Laufe ihres Lebens sexualisierte oder körperliche Gewalt. Eine Milliarde Gründe, heute aufzustehen. Eine Milliarde Gründe, laut zu sein“, rief Isabell Schröder von der AWO den Teilnehmenden zu. „Gewalt gegen Frauen und Mädchen ist kein Einzelschicksal, sondern ein weltweites strukturelles Problem.“
Unterstützt wurde die Aktion von den Tänzerinnen der Höxteraner Tanzschule Tanzetage Höxter. Leiterin Janet Topf zeigte sich beeindruckt von der Resonanz: „Das ist eine tolle Form der Gemeinschaft. Wir hatten gestern schon eine kleine Probe und man hat richtig den Vibe gespürt. Musik überträgt das sofort auf jeden Einzelnen und verbindet die Menschen miteinander.“ Als die Anfrage kam, habe sie „sofort ein gutes Bauchgefühl“ gehabt.
Die Choreografie entwickelte sich schnell zu einem kraftvollen Bild der Solidarität. Für viele war klar, warum sie dabei waren. „Wir wollen einfach ein Zeichen setzen – auch hier in Klein-Höxter, dass wir gegen Gewalt an Frauen sind“, sagte eine Teilnehmerin. Eine andere ergänzte: „Es ist eine super wichtige Aktion und es hat auch einfach total Spaß gemacht.“ Und aus der Menge war zu hören: „Aufstehen gegen Gewalt gegen Frauen, gegen Kinder – ja, es ist wichtig.“
Neben der symbolischen Kraft des Tanzes standen konkrete Zahlen im Raum. Schröder berichtete, dass im Jahr 2025 im Kreis Höxter 183 Frauen in insgesamt 578 Beratungskontakten von der Frauenberatungsstelle begleitet wurden. Die meisten Fälle betrafen häusliche Gewalt, doch auch digitale Gewalt und Stalking nähmen zu. 47 Frauen fanden im vergangenen Jahr mit ihren Kindern Zuflucht im Frauen- und Kinderschutzhaus des Kreises. „Die Dunkelziffer ist hoch. Nur wenige Frauen schaffen es, sich Hilfe zu holen“, betonte Schröder. „Die Schuld liegt niemals bei euch. Gewalt ist kein privates Problem. Gewalt ist politisch.“
Auch Anna Lütkefend, Gleichstellungsbeauftragte des Kreises Höxter, fand klare Worte. „Häusliche Gewalt betrifft alle kulturellen Hintergründe und alle sozialen Schichten. Es muss absolute Nulltoleranz gelten – und niemals sind die Opfer schuld, sondern immer die Täter.“ Zwar sei man froh über bestehende Einrichtungen wie Frauenberatungsstelle und Frauenhaus, „aber natürlich sind auch diese Einrichtungen, wie überall, unterfinanziert.“
Ihr Appell: „Prävention statt Wegsehen. Konsequenzen statt Ausreden.“ Es brauche ausreichend finanzierte Frauenhäuser, niedrigschwellige Beratungsangebote, Prävention an Schulen und eine Gesellschaft, die Betroffenen glaubt. „Mit Aktionen wie der heutigen beziehen wir klar Stellung gegen patriarchale Gewalt.“
Am Ende verband der gemeinsame Tanz Worte und Forderungen zu einem sichtbaren Zeichen der Solidarität. Oder, wie Schröder es formulierte: „Tanzen bedeutet hier nicht feiern. Tanzen bedeutet Widerstand. Tanzen heißt: Unsere Körper gehören uns. Unsere Leben gehören uns.“
Foto/Video: msp
Video: https://youtube.com/shorts/OX4aDJHT8XM